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BEWEGTE JAHRE

Montage historische/neue Straßenbahn

Die Anfänge
Gegründet wurde die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen Aktiengesellschaft am 13. Januar 1896. Die erste "Elektrische" fuhr jedoch schon ein gutes Jahr früher, nämlich am 23. November 1894. Diese erste Straßenbahn befuhr, trotz aller Skepsis der Zuschauer am Eröffnungstag, eine Strecke von Bochum nach Herne. Die Fahrzeit dauerte auf der 6,8 Kilometer langen Strecke 25 Minuten, und eine Fahrt kostete die damals stolze Summe von 50 Pfennig, die sich ein kinderreicher Fabrikarbeiter für seine Familie kaum leisten konnte.
 
Expansion
Schon 1900 jedoch nutzten rund 9 Millionen Menschen die Straßenbahnen unseres Verkehrsunternehmens. Die ständig wachsenden Fahrgastzahlen jener Zeit wurden durch die sich ausweitende Industrialisierung des Ruhrgebietes begünstigt, die für einen massiven Zustrom von Migranten sorgte. Die ersten Jahre der BOGESTRA waren geprägt von Expansion: neue Betriebshöfe, die Aufrüstung des Wagenparks, die Verbesserung der technischen Einrichtungen und mehr Personal sorgten für eine markante Unternehmensstruktur und dafür, dass "Straßenbahn" im Bewusstsein der Bevölkerung gleich "BOGESTRA" war. Dafür tat das Unternehmen aber auch so Einiges, wie anekdotenhafte Berichte aus jener Zeit andeuten: danach ist es nämlich durchaus vorgekommen, dass Stammkunden, die am Linienweg wohnten oder deren Stammlokal an der Bahnlinie lag, direkt vor der Haustür "eingesammelt" wurden, wenn das Wetter oder die körperliche Verfassung nicht so gut war. Es war jedoch nicht nur dieser Service, der die Zahl der Fahrgäste weiter ansteigen ließ - 1907 fuhren schon rund 16 Millionen Menschen mit den Linien der BOGESTRA.
 
Erster Weltkrieg und Inflation
Bis zum Ersten Weltkrieg war deren Zahl sogar bis auf 50 Millionen gestiegen. Im letzten Kriegsjahr 1918 wurden 70% des Personals zum Kriegsdienst eingezogen. Da ab 1915 jedoch auch Frauen als Schaffnerinnen, Fahrerinnen und im Innendienst eingesetzt wurden, konnte der Betrieb im gleichen Umfang aufrecht erhalten werden und lief reibungslos weiter. Trotzdem war die wirtschaftliche Lage des Unternehmens bis Mitte der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eher schlecht. Dies lag nicht zuletzt an der Inflation, die die Weimarer Republik erschütterte. 14 Mal wurden die Fahrpreise bis Ende 1923 erhöht, bis auf zuletzt 160 Mark für eine Fahrt. Bis Mitte der zwanziger Jahre hatte sich die Wirtschaft erholt und bei der BOGESTRA konnte wieder investiert werden. 1925 wurde der erste Omnibus eingesetzt, der die Strecke Gelsenkirchen-Sutum - Gelsenkirchen-Buer befuhr.
 
Unrühmliche Zeiten
Mit Beginn des Jahres 1933 beginnt für die BOGESTRA ein eher unrühmliches Kapitel ihrer Firmengeschichte. Das Unternehmen avancierte zum nationalsozialistischen Musterbetrieb, in dem vom Ende der dreißiger Jahre bis 1945 auch viele Zwangarbeiter eingesetzt wurden. Auch im zweiten Weltkrieg waren die meisten Mitarbeiter eingezogen worden und neben den Zwangsarbeitern waren es wiederum viele Frauen, die dazu beitrugen, dass der Betrieb weitergehen konnte. Die Kundenzahlen stiegen in der Zeit des Nationalsozialismus ständig an, bis im Bombenhagel des 2. Weltkrieges fast der gesamte Betrieb, egal an welchem Standort, zerstört wurde.
 
Wiederaufbau und Stadtbahnentwicklung
Die ersten Nachkriegsjahre waren geprägt vom notdürftigen Wiederaufbau, um überhaupt wieder Nahverkehr zu ermöglichen. Das Wirtschaftswunder der fünfziger Jahre sorgte für die schnelle wirtschaftliche Erholung der BOGESTRA, mit Gebäuden, Fahrzeugen und Fahrgastzahlen ging es rasant aufwärts. 1958 wurde die Rekordmarke von 170 Millionen Fahrgästen erreicht. Der wirtschaftliche Aufschwung war jedoch ein zweischneidiges Schwert, da nach und nach Auto und Motorrad, bis dahin reine Luxusartikel für Wohlhabende, auch für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich wurden. Um die städtische Infrastruktur nicht völlig dem Diktat des Automobils unterwerfen zu müssen, beteiligte sich die BOGESTRA aktiv an Handlungskonzepten für die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs wie der Konzeption für den S-Bahn- und Stadtbahnbau. Im Mai 1979 wurde in Bochum der erste Streckenabschnitt der Stadtbahn fertiggestellt, womit die Weichen auch für eine Zukunft im nächsten Jahrtausend gestellt waren.
 
Alternative zum Individualverkehr
Heute zählt die BOGESTRA mit mehr als 2.100 Beschäftigten, 115 Schienenfahrzeugen und 249 Bussen zu den großen Nahverkehrsunternehmen der Bundesrepublik. Das Einzugsgebiet umfasst 440 Quadratkilometer, und jährlich nutzen viele Millionen Fahrgäste in Bochum, Gelsenkirchen, Hattingen, Witten und Castrop-Rauxel das Angebot unserer Linien. Eine besonders schnelle Verbindung ist die Stadtbahnlinie U 35, die die Städte Bochum und Herne im 5-Minuten-Takt verbindet und damit vor dem Hintergrund des drohenden Verkehrsinfarktes eine besonders attraktive Alternative zum Individualverkehr darstellt.

 

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Letzte Aktualisierung: 05.03.2009
30.7.2010

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