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Drei Zahlen haben ihr Leben verändert

Kategorie: Presseinformationen, Top-News
(25.07.2018)

Wie Melanie und Dirk mit Mitte 40 endlich selbstbestimmt leben können und jetzt anderen Menschen Mut machen möchten

Sie kennen sich seit über 25 Jahren und sind seit sechs Jahren verheiratet. Seit letztem Herbst wohnen Melanie (46) und Dirk (48) endlich zusammen und zwar im Außenwohnheim der Lebenshilfe Bochum in Langendreer. Das ist nicht selbstverständlich, Melanie hat lange dafür gekämpft. „Du kannst das nicht!“, „Du schaffst das nicht!“ sind harte Worte, die Melanie immer wieder zu hören bekommen hat. Aber die lebenslustige Frau ist eine Kämpferin: „Ich wollte denen immer das Gegenteil beweisen.“ Melanie ist aufgrund von Sauerstoff-Unterversorgung während der Geburt schwerstmehrfachbehindert und sowohl geistig, als auch körperlich eingeschränkt. Ihr Mann Dirk hat eine geistige Behinderung. Vorher lebten sie getrennt in zwei speziellen Wohnheimen und hatten kaum Zeit zu zweit. So hatten sie sich ihre Ehe nicht vorgestellt und haben so lange gekämpft bis sich ihr Traum erfüllt hat: Endlich ein gemeinsames Leben! Die beiden sind ein glückliches Paar, gehen ganz liebevoll miteinander um. Sie freuen sich über die Zeit, die sie miteinander verbringen können, einfach zusammen Fernsehen gucken, Mandalas malen, über Fußball quatschen oder einfach nur zusammen auf dem Sofa sitzen. Eigentlich ganz normale Dinge, die für Melanie und Dirk erst mit Mitte 40 zur Realität geworden sind. „Alleine zu wohnen ist nicht schön. In der Wohngruppe fühlen wir uns so wohl. Wir wollen nie mehr ohne einander leben“ sagt Dirk.

Melanie und Dirk Stebner in ihrem Wohnzimmer in der Wohngruppe der Lebenshilfe Bochum in Langendreer.

Freudestrahlend begrüßen sie ihren Besuch. Melanie rollt mit ihrem Elektro-Rollstuhl vor, Dirk geht hinterher in‘s Wohnzimmer. Dort steht ihr ganzer Stolz: die königsblaue Couch, die natürlich nach dem Lieblingsverein ausgesucht wurde. Da zeigt auch Dirk stolz sein Outfit. Er trägt, wie könnte es anders sein, Melanies Lieblingsfarben blau und weiß. Die 46-Jährige ist großer Fan des FC Schalke 04. Melanie hat schon weitere Pläne: „Ich möchte einmal live bei einem Spiel in der Arena dabei sein!“ Die Überzeugung mit der sie das sagt zeigt, wie sehr sie an ihr neues Leben glaubt. „Früher war mein Leben langweilig, ich konnte nichts machen.“ In der neuen Wohngruppe wird bewundert, wie sehr sich die beiden zum Positiven verändert haben. Sie führen jetzt ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben. Ein Leben, das ihnen niemand zugetraut hatte. Ein Grund für die Zustimmung, dass das Ehepaar in ihr neues Zuhause am Langendreer Markt ziehen darf, ist Melanies neu gewonnene Mobilität. Jahre lang war sie auf einen Behinderten-Fahrdienst angewiesen. Bis zu zwei Wochen im Vorlauf mussten die Fahrten angemeldet werden – flexibel ist anders.

Auch beim Weg zur Arbeit war Melanie auf den Fahrdienst angewiesen. Sie arbeitet seit über 25 Jahren beim Evangelischen Johanneswerk in Behindertenwerkstätten. Die Mitarbeiter dort waren es auch, die sie zu ihrem eigenständigen Leben ermutigt haben. Anstoß war ein Training in Bus und Bahn von der BOGESTRA. Das kleines Team kümmert sich ausschließlich um mobilitätseingeschränkte Kunden und trainiert beispielsweise mit Menschen im Rollstuhl, wie sie sich sicher in Bus und Bahn bewegen, gibt Tipps und nimmt ihnen die Angst vor dem Fahren mit Bus und Bahn. Melanie hat schnell gemerkt, dass gerade Bahn fahren auch mit ihrem großen Elektrorollstuhl eigentlich ganz einfach ist. „Beim Kundentraining haben wir gelernt, wo die Rollstuhlplätze in der Bahn sind und wo wir uns an der Haltestelle hinstellen müssen“ erklärt die 46-Jährige.

Melanie und Dirk Stebner an der Haltestelle Langendreer Markt.

Durch die Verlängerung der Straßenbahnlinie 302 nach Langendreer können Melanie und Dirk nun alleine zur Arbeit fahren. Sie sind nicht mehr auf den Fahrdienst, nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen. Diese drei Zahlen eröffnen ihnen ganz neue Möglichkeiten. Die Linie 302 hat alles verändert. „Mein Leben ist so toll. Ich möchte jetzt auch anderen Menschen im Rollstuhl Mut machen. Sie sollen es mal ausprobieren, denn es ist nicht so schwer. Ich fahre gerne mit der Bahn.“ Einfach mal in die Stadt auf den Weihnachtsmarkt oder ein Eis essen – früher unmöglich. Jetzt sind sie mobil unterwegs, flexibel und können ihren Alltag selbst bestimmen. Mit Mitte 40 sind sie angekommen in ihrem eigenständigen Leben und das genießen sie.

Melanie und Dirk in der Straßenbahn Linie 302.

„Natürlich wirken sich die positiven Ereignisse, wie z.B. der gemeinsame Einzug in die Wohngruppe, positiv auf die Arbeit aus. Dirk und Melanie sind seither noch positiver im Leben unterwegs und kommen täglich mit einem Lächeln zur Arbeit.“ bestätigt Simone Haub. Sie ist Gruppenleiterin in den Altenbochumer Werkstätten und kennt Melanie bereits seit über 20 Jahren. „Wie viel Lebensqualität eine ‚einfache Straßenbahnverbindung‘ bringen kann, können sich nur die wenigsten Menschen vorstellen. Selbstbestimmtheit ist ein enormes Gut. Die beiden blühen richtig auf.“

Melanie Stebner und Simone Haub bei der Arbeit in den Altenbochumer Werkstätten.

Allen Vorurteilen zum Trotz hat Melanie es geschafft, selbstständiger zu werden. Und nun möchte sie allen mobilitätseingeschränkten Menschen Mut machen. Der erste Schritt in eine mobile Zukunft war der „Rollatortag“.

Die nächsten gemeinsamen Aktionen und Trainings von Polizei, Verkehrswacht und BOGESTRA finden am Mittwoch, 1. August 2018, von 9 bis 15 Uhr in Wattenscheid (Alter Markt) und am Mittwoch, 22. August 2018 von 9 bis 15 Uhr auf dem Bongard Boulevard in Bochum statt. Die Teilnahme ist an allen Terminen kostenfrei. Weitere Informationen finden Sie auf www.bogestra.de, telefonisch unter 0234 303-2254 oder per E-Mail an kundentraining@bogestra.de.


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